Die Rahmenbedingungen für Journalismus sind in den vergangenen Jahren nicht leichter geworden – vor allem in den USA. Die Kontroversen um die Trump-Präsidentschaft und das Jahrhundertereignis der Corona-Pandemie hatten der Branche zu Beginn der Dekade einen Rückenwind beschert, der in den vergangenen Jahren verebbte.
Stattdessen wurden die Herausforderungen durch die Übermacht von Big Tech immer größer: Der durch Social Media erzeugte Traffic ging durch die schwindende Präsenz im Newsfeed bei Facebook ebenso zurück wie durch Veränderungen im Algorithmus von Google. Die immer größere Werbemacht des Internet-Trios Google, Facebook und Amazon tat ihr Übriges, um dem Anzeigengeschäft vieler Medien zuzusetzen. Die Folge: die größte Kündigungswelle bei US-Verlagen seit Jahren.
Meilenstein zum Jahresende geknackt
Umso bemerkenswerter ist die Resilienz der etablierten Qualitätsmedien in den USA. Die New York Times verblüfft inzwischen seit fast einer Dekade mit ihrem anhaltenden Abonnentenwachstum und konnte im vergangenen Herbst den Durchbruch durch die 10- Millionen-Marke zahlender Mitglieder feiern.
Aber auch das Wall Street Journal (WSJ) kann weiter beständig zulegen. Das Leuchtturmmedium aus Rupert Murdochs Medien-Imperium News Corporation konnte diese Woche im Rahmen der neuen Bilanzvorlage einen bedeutenden Meilenstein vermelden: Per Ende 2023 bringt es die zweitauflagenstärkste Zeitung der USA auf mehr als 4 Millionen Abonnenten.
Wall Street Journal wächst digital weiter zweistellig
Das Pflichtblatt der US-Börsen, das seit der spektakulären Übernahme des Dow Jones-Verlags 2007 zu News Corp. gehört, konnte in den letzten drei Monaten 2023 die Abonnentenzahl um weitere 7 Prozent auf exakt 4,05 Millionen steigern – ein Zuwachs von exakt 270.000 regelmäßig zahlenden Lesern gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Treiber bleibt weiterhin das Digitalgeschäft: 3,53 Millionen Digital-Only-Abonnenten konnte das Wall Street Journal im jüngsten Geschäftszeitraum ausweisen – das sind immer noch 11 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des vierten Kalenderquartals 2022. Damit sorgt die Digitalsparte der 135 Jahre alten Renommee-Wirtschaftszeitung inzwischen für beeindruckende 87 Prozent aller Abonnements.
Barron’s mit über einer Million Digitalabonnenten
Doch mehr noch: Zum heimlichen Star im Finanzverlag Dow Jones avancierte das wöchentlich erscheinende Barron’s. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum konnte das gut hundert Jahre alte Finanzmagazin, das sich seit jeher der Suche nach Geldanlagemöglichkeiten verschrieben hat („Buy this stock“), seine Abonnenten um 23 Prozent bzw. 210.000 zahlenden Digitallesern steigern. Die Barron’s Group bringt es damit per Ende 2023 bereits auf 1,1 Millionen Digital- bzw. 1,24 Millionen Abonnenten in der Gesamtheit.
Innerhalb der Geschäftsentwicklung von News Corp. wurde der Dow Jones-Verlag erneut seiner Vorreiterrolle gerecht: Per 31.12. 2023 konnte die Unit bereits 5,42 Millionen Abonnenten ausweisen – ein Plus von fast einer halben Million zahlenden Lesern (+ 10 Prozent) gegenüber dem vierten Kalenderquartal 2022.
Dow Jones Highlight in News Corp-Bilanz – Aktie hebt ab
Die Umsätze des Dow Jones-Verlags legten im Schlussquartal 2023 um 4 Prozent auf 584 Millionen Dollar zu und machen damit den größten Erlösanteil bei News Corp. aus. Mit einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 163 Millionen Dollar operiert Dow Jones zudem von allen News Corp-Sparten am profitabelsten.
Unterm Strich konnte das von CEO Robert Thompson seit über einer Dekade geführte US-Verlagshaus in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres den Umsatz um 3 Prozent auf 2,59 Milliarden Dollar steigern und den Nettogewinn auf 183 Millionen Dollar gar fast verdoppeln. Die anhaltende Erfolgsstory von WSJ und Barron’s tragen daran maßgeblichen Anteil und beweisen damit einmal mehr: Gerade in herausfordernden Zeiten ist Qualitäts-Wirtschaftsjournalismus so wichtig und gefragt wie nie.