Während die Gattung Social Media als Nachrichtenquelle durchaus weiter an Boden gewinnt, wird Marktführer Facebook für die Nachrichtennutzung  junger Zielgruppen in Deutschland unwichtiger. Gleichzeitig steigt allmählich die Zahl der Nutzer*innen, die für Nachrichtenjournalismus Geld ausgeben, und zwar vor allem unter den Jüngeren. Das zeigen jüngste Ergebnisse aus dem jährlich erscheinenden Digital News Report des Reuters Institute an der Universität Oxford. Die deutsche Teilstudie der 38 Länder umfassenden Untersuchung wird traditionell vom Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung I Hans-Bredow-Institut betreut und aufbereitet.

Markenklassiker stehen für vertrauenswürdigen digitalen Nachrichtenjournalismus

Inmitten der teilweise trüben Informationsflut suchen Menschen nach klaren, verlässlichen Quellen. „Ich glaube, ich kann dem Großteil der Nachrichten, die ich nutze, meistens vertrauen.“ Dieser Aussage stimmen 59 Prozent der vom Institut YouGov um die Jahreswende 2019/20 befragten deutschen Online-Bevölkerung ab 18 Jahren zu. Als vertrauenswürdige Quellen werden neben Nachrichtenformaten der Öffentlich-Rechtlichen die digitalen Angebote führender Zeitschriften und Zeitungen genannt. Auf einer Skala von 0 („überhaupt nicht vertrauenswürdig“) bis 10 („äußerst vertrauenswürdig“) kommen Websites und Apps von Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, F.A.Z., Spiegel und Focus auf sechs Punkte oder mehr.

Facebook verliert als Nachrichtenquelle an Bedeutung

Wenig Vertrauen genießen Nachrichten, denen die Menschen in sozialen Medien begegnen. Nur 14 Prozent vertrauen solchen Nachrichten, 36 Prozent sind unentschieden, und 50 Prozent vertrauen ihnen nicht. Damit einher geht eine generelle Unsicherheit, Falschnachrichten im Netz als solche erkennen zu können. Nur 22 Prozent sind sich sicher, Fake News zuverlässig identifizieren zu können. Als Verbreitungswege falscher oder irreführender Informationen stehen vor allem Facebook (35 Prozent) und Twitter (19 Prozent) unter Verdacht. Facebook wird denn auch weniger als im Jahr zuvor für Nachrichten genutzt, jedenfalls von den Jüngeren (Grafik 1). Inwieweit dies auch mit einer 2018 angekündigten Veränderung von Facebooks Newsfeed-Algorithmen zusammenhängt, bleibt offen.

Vor allem Jüngere zahlen häufiger für digitalen Nachrichtenjournalismus

Die Bereitschaft für Nachrichtenjournalismus zu zahlen, steigt hingegen – wenn auch nur langsam. Die Frage, ob sie im letzten Jahr in irgendeiner Form für Online-Nachrichten gezahlt haben, bejahen insgesamt zehn Prozent. Gegenüber dem Vorjahr haben alle Altersgruppen mehr gezahlt, doch die Jüngsten, die 18- bis 24-Jährigen, ragen besonders heraus. Bei ihnen hat sich der Anteil der Zahlenden um fünf Punkte von 11 Prozent auf 16 Prozent erhöht (Grafik 2).

Erfreulich auch: Diejenigen, die angeben, kostenpflichtige Online-Nachrichten genutzt zu haben, nennen 2020 gut zur Hälfte (52 Prozent) das Abonnement oder die Mitgliedschaft. 2019 waren es erst 41 Prozent. Somit hat diejenige Zahlungsform am stärksten zugenommen, die in der Regel mit einem längerfristigen Engagement verbunden ist und dem Nachrichtenjournalismus einen stetigen Einkommensstrom verschafft.

Bezahlung im Online-Journalismus erhöht Werbewirkungschancen

Bewusst und freiwillig geleistete Zahlungen für digitalen Nachrichtenjournalismus sind natürlich zunächst für Journalisten und Medienmarken als Finanzbasis wichtig. Sie sind darüber hinaus aber auch für die Werbewirtschaft interessante Indikatoren, weil sie auf Vertrauensbeziehungen hinweisen. Solche Zahlungen belegen die hohe Wertschätzung der Nutzer für die redaktionelle Leistung – also für das, was Mediaplaner  „Umfeld“ nennen. Und das Umfeld, da sind sich Forscher wie Dirk Engel sicher, „macht den Unterschied“, wenn es um günstige Voraussetzungen für Werbewirkung geht.

Dr. Uwe Sander
Dr. Uwe Sander
Der gelernte Volkswirt arbeitete nach einigen Jahren in der empirischen Wirtschaftsforschung von 1984 bis 2014 in verschiedenen Funktionen beim Verlag Gruner+Jahr, u.a. für die Titel Capital, Stern, GEO und Art. Heute ist er freiberuflich als Autor und Berater tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Entwicklung des digitalen Journalismus.