Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom lesen 43 Prozent der Internetnutzer Online-Magazine und Nachrichten zu Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur auf ihren Smartphones.

Bei manchen Diskussionen kann man den Eindruck gewinnen, ein journalistisches Digitalangebot sei umso „avancierter“, je höher der Anteil der mobilen Visits ist. Unter rein technischen Gesichtspunkten ist so ein Urteil berechtigt. Zugriffe auf mobile-enabled Websites – so der offizielle Begriff von AGOF und IVW – kann es nur geben, wenn ein Medium seine Internetangebote, hinsichtlich Layout, Technologie und Usability für eine Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert hat. Das ist keineswegs überall der Fall. Insgesamt sind 1.820 Angebote bei der IVW gelistet, mobile-enabled Websites bieten aber nur 766 Angebote.

Neben der Technik sind jedoch auch die Inhalte relevant und – damit verbunden – die Zielgruppen. Dies lässt sich recht gut nachvollziehen, wenn man sich einmal die jüngste Entwicklung bei verschiedenen Nachrichten- und Wirtschaftsmedien ansieht, die teils breitere, teils spitzere Zielgruppen aufweisen. Es handelt sich, von Bild abgesehen, um Websites von LAE-Medien, von Medien also, die in der Leseranalyse Entscheidungsträger erfasst werden.

Snackable Content für unterwegs 

Bei den drei reichweiten- und zugriffsstärksten Online-Magazinen – also bei Bild, Spiegel online und Focus online – gab es im Verlauf des letzten Jahres eine nachhaltige Wende zugunsten der mobilen Visits. Mobile Visits machten im Oktober bei Bild.de 54 Prozent aus, bei Spiegel online 57 Prozent und bei Focus online 61 Prozent. Diese Seiten haben relative hohe Anteile junger Nutzer, die viel unterwegs sind und kompakte Infos zur Überbrückung von Wartezeiten zu schätzen wissen, „Snackable Content“, wie Marketingleute sagen.

Bei Wirtschaftsmedien fällt der Anteil mobiler Visits noch etwas niedriger aus als bei Websites der General-Interest-Tageszeitungen. Beim Handelsblatt betrug der Anteil der mobilen Visits im Oktober knapp ein Drittel, beim Manager Magazin ein Viertel und bei der Wirtschaftswoche 41%. Im Verlauf des letzten Jahres stieg zwar auch hier die Zahl der mobilen Visits zu Lasten der stationären an, doch es handelt sich nicht um eine radikale Umschichtung. Bei Finanzmedien wie Boerse.de und Boerse-online.de erreichte der Anteil stationärer Visits im Oktober fast 80 Prozent.

Bei allen Nachrichtenseiten liegt übrigens der Peak der mobilen Nutzung im Juli 2016, dem Monat, der besonders nachrichtenstark war. Am meisten hat sicher der Amoklauf von München die mobilen Visits in die Höhe getrieben. Die Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs und die Unklarheit über die Gefährdung hielt die Stadt über Stunden in Atem. Bei Süddeutsche.de war der Juli denn auch der einzige Monat, in dem die mobilen Visits geringfügig über den stationären lagen.

Der Autor

Dr. Uwe Sander
Dr. Uwe Sander
Der gelernte Volkswirt arbeitete nach einigen Jahren in der empirischen Wirtschaftsforschung von 1984 bis 2014 in verschiedenen Funktionen beim Verlag Gruner+Jahr, u.a. für die Titel Capital, Stern, GEO und Art. Heute ist er freiberuflich als Autor und Berater tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Entwicklung des digitalen Journalismus.